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Die urbane Simulation Stadt Frauenfeld

Die urbane Simulation Frauenfeld wurde als Diplomarbeit 2003/2004 von Roman Seiler und Daniel Sommer an der Fachhochschule Rapperswil erarbeitet. Untersucht wurden die Auswirkungen einer geplanten Entlastungsstrasse in der Stadt Frauenfeld. Diese Entlastungsstrasse ist Bestandteil eines Projektes F21, das auch Verkehrsberuhigungsmassnahmen beinhaltet. Mit dieser Simulation wurden städtebauliche und nutzungsbezogene Veränderungen aufgezeigt, die als Auswirkungen eines solchen Projektes resultieren. Die gewonnen Erkenntnisse werden die verkehrsbezogenen Massnahmen des Projektes F21 ergänzen.

Für diese Simulation wurde das Metropolitan Simulation Game verwendet. Diese Spielsimulation wurde für Städtebauer und Leute, die in Städtebau interessiert sind, programmiert. Dieses Städtebau Computerspiel wurde aus den Erkenntnissen urbaner Gesetzmässigkeiten erarbeitet und benutzt die selben Funktionen einer professionellen urbanen Simulation.

Eine Stadt ist ein komplexes System und Auswirkungen von planerischen Entscheidungen und Massnahmen sind mit konventionellen Mitteln sehr schwer abzuschätzen. In dieser Diplomarbeit wurde gezeigt, welche Möglichkeiten die urbane Simulation in der Raum- und Städteplanung bietet. Es wurden neue Erkenntnisse über die Auswirkungen von Grossprojekten auf eine Stadt gefunden.

Die Simulation brachte am Beispiel des Projektes F21 in Frauenfeld neue Grundlagen für Massnahmen in der Nutzungsplanung. Die Arbeit hat aufgezeigt, wie die Resultate einer Simulation zu einer Revision des Nutzungsplanes verwendet werden können.

Als Ergebnis liefert die Simulation die Entwicklungspotentiale für die Nutzungen Wohnen, Arbeiten und Verkauf. Entwicklungspotentiale bemessen den wirtschaftlichen Erfolg einer Nutzung. Sie können auch den wirtschaftlichen Erfolg einer Investition prognostizieren.

Bild 1. Frauenfeld ist die Hauptstadt des Kantons Thurgau in der Schweiz. Die Stadt liegt zwischen den Wirtschaftsräumen Zürich und Bodensee. Die Region Frauenfeld wird jedoch hauptsächlich durch den Wirtschaftsraum Zürich beeinflusst. Gewerbliche und industrielle Nutzungen befinden sich im Norden der Stadt. Frauenfeld hat eine regionale Bedeutung als Arbeitsort. Wohngebiete liegen rund um die zentral gelegene Altstadt. Die Altstadt selbst befindet sich etwas erhöht neben dem Flüsschen Murg.

Bild 2 zeigt die Umsetzung der statistisch erfassten Daten in die Simulation. In diesem Arbeitsschritt wurden die Grundlagen für die Simulation abstrahiert. Für den Aufbau des virtuellen Stadtmodells wurden die folgenden Indikatoren verwendet: Anzahl Einwohner, Anzahl Beschäftigter in Dienstleistung, Gewerbe und Industrie und Anzahl Beschäftigte im Verkauf, sowie die Infrastruktur der Verkehrsführung des privaten und öffentlichen Verkehrs.

Bild 3 ist eine Situationsbeschreibung der Stadt Frauenfeld. Die Entwicklungspotentiale liegen konzentriert im Zentrum der Stadt. Die grössten Entwicklungspotentiale liegen im Bereich des Rathausplatz und um den Platz am Holdertor. Diese Entwicklungspotentiale begünstigen den wirtschaftlichen Erfolg der Nutzungen im Zentrum.

Bild 4. Durch den Einfluss das zunehmenden Verkehrs zerstreuen sich die Entwicklungspotentiale über das ganze Stadtgebiet, was in der Zentrumslage zu einer wirtschaftlichen Einbusse führt. Entsprechend dem zu- und abnehmenden Verkehrsfluss wechselt sich diese Situation ab mit der Situation aus dem Bild 3.

Bild 5 zeigt die Auswirkungen der Entlastungsstrasse des Projekts F21, welche südlich des Stadtzentrums geplant ist. Durch den Einfluss dieser städtebaulichen Massnahme verschieben sich die Entwicklungspotentiale aus der Zentrumslage nach norden. Dieses neue Entwicklungsgebiet ist im städtischen Vergleich eher unbebaut. Die Entwicklungspotentiale deuten auf einen wirtschaftlichen Erfolg durch Investitionen in Immobilen in diesem neuen Entwicklungsgebiet. Weil der heutige Zonenplan der Stadt Frauenfeld eine solche Entwicklung nicht zulässt und damit einen zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg dieser Stadt behindert, wurde eine Zonenplanänderung in diesem Gebiet vorgeschlagen.

Bild 6 zeigt, wie sich die zukünftigen Entwicklungspotentiale, ausgelöst durch das Projekt F21, bei zunehmendem Verkehrsaufkommen verhalten. Die Entwicklungspotentiale werden bei verstärktem Verkehrsaufkommen vom Norden nach Osten springen. Vergleichen Sie dazu die Situation aus dem Bild 5. Dieses Verhalten kann auch als pulsieren einer Stadt bezeichnet werden. Diese Entwicklungspotentiale im Osten sind ausgedehnter als die im Norden. Der Zonenplan der Stadt Frauenfeld könnte den wirtschaftlichen Druck in diesen Gebieten, ausgelöst durch die Entwicklungspotentiale, auffangen, was eine Zonenplanänderung im Osten nicht zwingend notwendig macht.

Die Stadt Frauenfeld wird zwei neue Entwicklungsgebiete erhalten, welche als Auswirkung durch das Projekt F21 resultiert. Eines wird im Norden der Altstadt liegen und ein zweites wird im Osten der Altstadt liegen. Das Stadtzentrum wird zeit weilen eine wirtschaftliche Einbusse erleiden. Wird aber die Stadt Frauenfeld diese neuen Entwicklungspotentiale nutzen, und diese neuen Entwicklungsgebiete zur Überbauung zulassen, dann wird auch das Zentrum davon profitieren. Einen zukünftigen Ausbau oder Verdichtung einer Stadt entsprechend ihren Entwicklungspotentialen optimiert die wirtschaftliche Entwicklung dieser Stadt, was sich dann städtebaulich und auch architektonisch lohnen kann.

Frauenfeld Bild 1.

Frauenfeld Bild 2.

Frauenfeld Bild 3.

Frauenfeld Bild 4.

Frauenfeld Bild 5.

Frauenfeld Bild 6.

Diese Diplomarbeit ist eine sehr spannende Beschreibung der zukünftigen Entwicklung einer Stadt. Sie liegt als Buch im Paperback-Format vor und ist sehr detailliert und weitaus ausführlicher beschrieben als auf dieser Seite dokumentiert. Wir gratulieren Roman Seiler und Daniel Sommer zu ihrem erfolgreichen Diplom.
Autor: Aurelius Bernet